Das System der
Reinkarnation der Lebenden Buddhas ist ein
Punkt, der den tibetischen Buddhismus von
anderen Strömungen abgrenzt.
Lebende Buddhas
Der Begriff
"Lebender Buddha" tauchte zum ersten
Mal in der Yuan Dynastie (13./14. Jahrhundert) auf, als
Kublai Khan dem Oberhaupt der Sagya Sekte den
Titel "Buddha des westlichen Paradieses"
verleiht. Danach wurden bedeutende Mönche, die
sich in der Ausübung des Buddhismus
unterschieden, oft als
"Lebende Buddhas"
bezeichnet.
Geschichte
1252 wurde dem Oberhaupt der Garma Gagyu Sekte
von Kublai Khan eine Audienz gewährt, bei der er
einen schwarzen Hut und ein goldenes Siegel
erhielt. In seinem letzten Willen trug er seinen
Schülern auf, einen Jungen zu finden, der den
Hut und damit die Lehre beerben würde. Ein
Buddha würde wiedergeboren, um die von ihm
begonnene Mission zu beenden. Mit dem Jungen war
das Reinkarnationssystem der Lebenden Buddhas
der Schwarzhutsekte des tibetischen Buddhismus
geboren und besteht bis heute. Andere Strömungen
entwickelten daraufhin eigene Systeme, darunter
die einflussreichen Systeme des Dalai und
Panchen Lama.
Reinkarnation von Dalai Lama und Panchen Lama
Das System des Dalai Lama entstand im 16.
Jahrhundert,
als sich der Mönch Sönam Gyatsho an den Hof
eines bedeutenden Mongolenfürsten begab und dort
den Ehrentitel erhielt. Der derzeitige Dalai
Lama wurde bereits 1940 im
Potala Palast in
Lhasa gekrönt.
Das System der Panchen Lama wurde 1713
eingeführt, als der 5. Panchen vom Dalai Lama
den Titel
"Erdeni" – großer Schatz – erhielt.
Derzeit besteht keine Einigung über den
Titelträger, da 2 mögliche Kandidaten in der
engeren Auswahl stehen.
Als die Gelug Sekte im 17. Jahrhundert an Macht gewann,
wurde das Reinkarnationssystem der lebenden
Buddhas zum Zankapfel mit der tibetischen
Oberschicht. 1793 erließ die kaiserliche
Regierung 29 Artikel für eine effiziente
Verwaltung Tibets, in der auch auf das
Bestimmungssystem der Lebenden Buddhas
eingegangen wird. Darin schreibt der Kaiser vor,
dass bei der Wahl eine goldene Urne mit
Elfenbeinzetteln eingesetzt werden soll, um
Stammesvorteile zu umgehen. Dieser Wahlvorgang
professionalisierte das System der Lebenden
Buddhas, auch beeinflusst durch einen zwingenden
Report an die Qing Regierung, deren
Einverständnis nötig war.
Die 2 goldenen Urnen, welche im Auftrag des Qing
Hofes angefertigt wurden, befinden sich heute im
Potala Palast und dem
Yonghegong Lamatempel in
Peking, dem größten Lamatempel außerhalb Tibets. |
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